Chronik Flugplatz Schöngleina

 

Teil 3

 

Neubau Funktionsgebäude und

Einebnung Flugbetriebsfläche

 

1970 bis 1979

 

Manfred Göring

 

Flugbetrieb / Ausbildung

 

Im Wesentlichen wurde die Ausbildung und der Leistungssegelflug wie schon von E. Grund beschrieben weitergeführt.

Die am Flugplatz tätigen Flugsportler waren wie folgt organisiert:

vier Sektionen Segelflug mit jeweils ca. 25 Mitgliedern und zwei Fluglehrern bei Zeiss,

zwei Sektionen Segelflug mit jeweils ca. 15 Mitgliedern und zwei Fluglehrern in Keramischen Werken Hermsdorf (KWH) und im Porzellanwerk Kahla (PWK),

 

eine Sektion Fallschirmsport mit ca. 25 Mitgliedern beim Kreisvorstand Jena- Stadt der GST und

 

eine Sektion Modellflug mit ca. 20 Mitgliedern an der damaligen Nordschule.

 

Die Sektionen Zeiss I und Zeiss II sowie KWH führten im Wechsel mit den Sektionen Zeiss III und Zeiss IV und PWK im 14- tägigen Wechsel die Ausbildung durch. Hierbei erfolgte der Einsatz der verantwortlichen Kameraden (Flugleiter, Techniker, Fallschirmwart, Windenmechaniker bzw. Schleppilot u.sw.)nach einem längerfristigen Plan.

In den siebziger Jahren mussten die Segler mit erreichter zugelassener Lebensdauer leider verschrottet werden (teilweise am Lagerfeuer verbrannt) und wurden durch die polnischen Typen wie Bocian, Pirat, Foka 4, Foka 5 und Cobra sowie Jantar ersetzt.

An unserem Flugplatzhatten wir das Glück, von erfolgreichen VEB und später Kombinaten materiell und finanziell sehr gut unterstützt zu werden. So z.B. existierte im ehemaligen Flugzeugbau Lommatzsch noch ein werkseigenes Leistungsflugzeug vom Typ „Favorit“. Nach Eingliederung des Flugzeugbau Lommatzsch in das Zeiss- Kombinat hatte dieses plötzlich einen Segler im Grunmittelbestand den wir gerne zur Nutzung übernahmen.

Nach der buchhalterischen Abschreibung des „Favorit“ gelang durch gute Verbindungen zur Grundmittelverwaltung von Zeiss eine Ersatzinvestition in Form eines supermodernen GfK-Leistungsflugzeuges vom polnischen Typ Jantar-1.

 

Zur Erreichung von höheren Startzahlen wurden im Winden- Schleppbetrieb die zwei Schleppseile der tschechischen Herkules-3 Winde nicht mehr einzeln mit der Rückholwinde sondern gleichzeitig mit ausgedienten P2M- undTrabant- Kübel aus der NVA zurückgeschleppt.

Vergaserkraftstoff war schon damals knapp und so wurden die Sechszylinder Benzinmotoren der P2M mit Äthylalkohol vom VEB Jenapharm betrieben. Leider lösten sich durch den aggressiven Treibstoff die Alugehäuse der Vergaser auf und die Motoren wurden deshalb durch Dieselmotoren ersetzt.

 

Ab 1971 wurden die bis dahin genutzten tschechischen Schleppflugzeuge vom Typ ZLIN 226 „Trener“ und L 60 „Brigadyr“ durch die polnische PZL 104 „Wilga 35“ ersetzt.

Durch deren hohe Triebwerksleistung von immerhin 260 PS verdoppelte sich die vertikale Steiggeschwindigkeit auf 2,5 bis 4 m/s je nach Gewicht des Seglers und es wurden dadurch oft die max. 50  für den Schleppiloten zugelassene Anzahl der  Schlepps am Tag erreicht.

 

Als leistungsstärkster Flugplatz wurde 1976 (?) unser Flugplatz als einer der ersten von Winden- auf Flugzeugschlepp umgestellt. Hintergrund war die Möglichkeit der effektiveren vormilitärischen Ausbildung der zukünftigen NVA- Piloten, denn mit verfügbaren Schleppstrecken für den Windenbetrieb von ca. 900 m auf der Süd- und ca. 700 m auf der Weststrecke waren bei schwachen Windverhältnissen nur 200 bis 300 m Auskuppelhöhe im Doppelsitzer möglich. Mit der Wilga konnten nun die Doppelsitzer im fünf Minuten Takt auf 400m Standart) oder 600 m Höhe geschleppt werden.

Der Flugzeugschlepp war aber nicht nur für die Ausbildung effektiver, auch für den Leistungssegelflug

erschlossen sich ungeahnte Möglichkeiten.

Nach Fertigstellung des Gebäudes 1978 wurden alle wichtigen Türen und Tore alarmgesichert, in der Flugzeughalle ein Bewegungsmelder über dem Standplatz der Wilga installiert und alle Alarmmeldungen über eine Telefon- Standleitung zum Polizei- Betriebsschutzkommando Zeiss nach Jena gemeldet. Dies war Vorraussetzung, um das Schleppflugzeug auch ohne der sonst vorgeschriebenen Polizeibewachung am Flugplatz dauerhaft zu stationieren.

Anlässlich der Fertigstellung des neuen Gebäudes wurden den Flugsportlern als Anerkennung für ihre Leistungen während der Bauarbeiten durch den VEB Zeiss jeweils zwei neue Segelflugzeuge vom Typ „Blanik“ und „C- Pirat“ übergeben. Mit dem jetzt modernen und zahlenmäßig gut ausgestattetem Flugzeugpark konnten gute bis sehr gute Ergebnisse auch im DDR- Vergleich erzielt werden.

 

Wärend der Begradigung der Flugbetriebsfläche ab 1979 konnte diese nur halbseitig oder gar nicht genutzt werden- dann wurde der Schulbetrieb auch teilweise am Flugplatz Gera mit eigenen Flugzeugen durchgeführt.

 

Als sich 1979 die Zahl der „Republickfluchten“ mit Flugzeugen der GST aber auch des INTERFLUG- Agrarfluges erhöhte, wurde der Flugbetrieb der GST im September eingestellt und alle Flugzeuge mussten abgerüstet und sicher eingelagert werden.

Im Anschluss wurden z.T. drastische Maßnahmen zur „Erhöhung der Sicherheit“ durch den Zentralvorstand der GST festgelegt.

Der Flugbetrieb wurde bis Ende 1979 nicht wieder aufgenommen.

Flugbetrieb/ Leistungssegelflug

Der Leistungssegelflug wurde in den siebziger Jahren weiter ausgebaut, was nicht zuletzt durch die Anzahl und Qualität der zur Verfügung stehenden Segelflugzeuge möglich war.

Genutzt wurden folgende Typen: Libelle- Standard und Libelle- Laminar, Favorit; Jantar-1; Foka-4 und Foka-5 sowie Pirat.

Durch u.a. Eberhard und Ursel Wötzel wurden die talentierten und geeigneten jungen Piloten gefördert  und trainiert. Nach und nach stieg die Zahl der Jenaer in der damaligen „Bezirkssportmannschaft Gera“ und damit die Anzahl von Teilnehmern an Wettbewerben und DDR- Meisterschaften.

Bei guten Wetterlagen und der damals noch nötigen Freigabe des Luftraumes und der Standardflugstrecken wurde Leistungssegelflug auch in der Woche organisiert und durchgeführt, wie schon von Erhard Grund beschrieben.

Peinlichst vermieden werden musste der Einflug oder zumindest die Außenlandung in/ den „Grenzsperrstreifen West“, dies hätte eine unweigerliche Sperre vom Segelflug bedeutet.

Nach Außenlandungen war es üblich, bei entsprechender Länge und Beschaffenheit des Geländes

vom Aussenlandefeld direkt wieder mit der Wilga „rausgeschleppt“ und zum Flugplatz gebracht zu werden.

 

Der größte Erfolg im Leistungssegelflug war die Erringung des DDR- Meistertitels im Segelflug durch Eberhard Wötzel im Jahr 1975.

Bautätigkeit

Der Flugplatz war nur bei trockenem Wetter per Pkw und Lkw über schlechte Feldwege von der Schweinemastanlage Zinna aus zu erreichen. Voraussetzung nicht nur für die Anfahrt von Rettungs- und Feuerwehrfahrzeugen bei Unfällen und Bränden sondern auch für die bauliche Erweiterung des Flugplatzes war die Schaffung einer befestigten Straße. Aus Kostengründen und fehlender öffentlicher

Kontingente wurde der ehemalige Feldweg vom Ort Schöngleina zum Wasserhaus und weiter zum Flugplatz in Eigenleistung planiert, mit Sandbett versehen und mit Ausschuss- Deckenplatten vom Wohnungsbau verlegt. Behilflich war wieder Zeiss mit Autokran und Transporttechnik.

 

Eine weitere Voraussetzung für den Beginn der Bautätigkeit war die Schaffung einer Trinkwasserversorgung über eine Leitung vom Wasserhaus zum Flugplatz. Hierfür wurde an das bestehende Wasserhaus der Gemeinde ein („Schwarz“-) Anbau errichtet, in dem zwei gummierte Druckbehälter sowie die dazugehörige Pump- und Regelanlage eingebaut wurden. Der Druck in den Behältern musste 5- 6 bar betragen, um den Höhenunterschied überwinden zu können.

 

Verlegt wurde PVC- Rohr mit 70 mm Durchmesser, welches aus drei Meter langen Rohrstücken mit einer Klebetechnologie und Hilfsvorrichtungen, entwickelt von Siegfried Pieler, zusammengefügt wurden.

Zur Planung und Leitung der nun anstehenden größeren Bauvorhaben wurde der sog. „Baustab“ ins Leben gerufen, Mitglieder waren: Siegfried Pieler, Günter Lorbeer, Dr. Manfred Fritsch, Manfred Göring, Werner Schimanski als Buchhalter, später noch Eberhard Wötzel und als Bauleiter der Bauingenieur vom Wohnungsbaukombinat Gera Rolf Schede.

Dieser Baustab traf sich von nun an bis zum Ende der Bautätigkeit jeden Mittwoch 17:00 Uhr zur Beratung der Maßnahmen und Details für die “Große Strategie“ als auch für die anstehenden Arbeiten und deren Absicherung in der Woche und am Wochenende.

Zur Finanzierung der Bautätigkeit wurde eine „Investitionsgemeinschaft Flugplatz Schöngleina“ gegründet.

Hierzu wurde das noch heute existierende Modell der Flugplatzgebäude in Auftrag gegeben und  den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft während einer Veranstaltung nach durchgeführten Gästflügen vorgestellt. Unsere Vorstellungen wurden sehr positiv aufgenommen und später die jährlichenFinanzierungsbeiträge entsprechen den anteiligen Mitgliederzahlen vereinbart. So konnten bis1979 ca. zwei Millionen DDR- Mark aufgebracht werden. Diese Mittel wurden zur Materialbeschaffung, Arbeiten mit Spezialgeräten (Krane, Bagger, Betonpumpen usw.) sowie der Entlohnung der im sog. „Zweiten Arbeitsverhältnis“ beschäftigten Fachkräfte wie Maurer,Bauschlosser,Fließenleger und Bauleiter verwendet. Die Mitglieder des Baustabes und alle Flugsportler leisteten ihre Arbeit unentgeltlich, sie bekamen je Arbeitsstunde eine NAW- Marke zum Einkleben in das NAW- Buch (NAW = Nationales Aufbauwerk). Neben dem Flugbetrieb wurden so z.T. im wechselnden Schichtbetrieb alle Hilfsarbeiten durch die Flugsportler geleistet.

 

Die wärmetechnische Versorgung aller Gebäude erfolgte durch ein separat errichtetes modernes Heizhaus. Hierbei wurde mittels Nachtstrom eine größere Menge Wasser unter in Druckbehältern auf 120 Grad Celsius erhitzt und dann bei Bedarf dem Heizkreislauf zugesetzt. Die Wassermenge war ausreichend, um bei Stromausfall den Heizbetrieb für drei Tage zu gewährleisten.

Der aus Brandschutzgründen geforderte Feuerlöschteich wurde gefliest ,mit Treppe sowie Ein-und Ausstiegsleitern versehen. So war ein erfrischendes Bad nach dem sommerlichen Flugbetrieb möglich.

Feierlich eingeweiht wurde das Gebäude mit den Außenanlagen einschließlich Feuerlöschteich 1978 mit einem Großflugtag.

1979 begann die Einebnung der bislang sehr hügeligen Flugbetriebsfläche. Mit einer ausgeglichenen

Erdmassenbilanz wurde der Flugplatz beginnend mit der Westhälfte, in zwei Bauabschnitten begradigt. Hierbei wurde mit schwerer Technik bis zu zwei Meter Ede und Fels abgetragen und wieder aufgefüllt.

Durch die Flugsportler wurden nach dem Planum Unmassen von Feldsteinen abgelesen, um Beschädigungen an Technik und Schleppseilen zu vermeiden.

CInf

Flugplatz Jena – Schöngleina Zeitraum 1989 – 1992

 

Eberhard Wötzel

 

Die Wende am Flugplatz Jena – Schöngleina führte zu einschneidenden Maßnahmen in der Fliegerei. Viele lieb gewonnen Gewohnheiten mussten über Bord geworfen werden , das  Geld spielte die dominierende Rolle und alle Versäumnisse der vergangenen 40 Jahre in Fragen Grund  und Boden sowie Immobilien  führten zu Existenzproblemen des Flugplatzes.

 

Der aktive Kern der Ausbilder des Flugplatzes Jena – Schöngleina , der sich in vielfältigen Aktivitäten der vergangen Jahrzehnte um die Erschaffung diese Fluggeländes bemüht hat , hat  sich  den neuen Herausforderungen gestellt.

 

Der hauptamtliche Flugplatzleiter Hannes Sohr musste damit rechnen, dass diese Anstellung die 1989  noch aktuell war , sehr schnell beendet wird. Die GST mit Ihren administrativen Funktionären wurde mit der friedlichen Revolution schrittweise beseitigt. Die Vereine mussten sich nach demokratischen Richtlinien neu gründen, aus dem Bezirk Gera wurde unter Hinzuziehung von Bezirk Suhl und Bezirk Erfurt   das Land Thüringen wieder gegründet.

 

Jeder von uns hatte die Aufgabe neben dem liebgewonnen Luftsport auch sein eigenes Einkommen zu sichern, denn sichere Arbeitsplätze  gab es nicht mehr, jeder musste sich bemühen in Brot und Arbeit zu bleiben.

 

Der Flugplatz , für die meisten von uns ein Teil Heimat,  sollte unter allen Umständen erhalten bleiben.

 

Die ersten Schritte zur Erhaltung des Flugplatzes

 

Beiträge zur Geschichte des Flugplatzes Jena-Schöngleina

Teil 6:. Wendezeit

Von Günter Lorbeer

 

Diese Zeit ist in 2 größere Perioden einzuteilen:

Die Erhaltung des Flugplatzes durch den  Fliegerklub

Der Flugplatz als Teil des Kombinates Carl Zeiss Jena gehörte der Treuhand, soweit es sich um die mit Gebäuden bestandenen Grundstücke handelte. Das Flugfeld, für das die GST Rechtsträger gewesen war, gehörte zur Treuhand Sondervermögen .

Die Segelflieger gründeten den ersten Verein in Jena, den  Fliegerklub Carl Zeiss

Jena e. V.

  Im Vereinigungsregister erhielt er aber nicht der Nummer 1, weil die

Erster Vorsitzender des Fliegerklubs war Eberhard Wötzel (1). Er hatte sich mit dem Verein das Ziel gestellt, den Flugplatz für den Sportflug zu erhalten. Es musste alles neu organisiert werden. Keine hatte Ahnung, wie ein Segelfliegerverein in der BRD funktionierte; welche Gesetzlichkeiten dafür wie zutreffend waren. Selbstlose Hilfe Oerlinghausen / Bielefeld insbesondere durch Herrn Niermann wurde dem Verein angetragen und geholfen, durch den neuen „Papierdschungel“ zu finden.

  Die Fliegerfreunde aus Oerlinghausen hatten sich große Mühe gegeben

Zunächst wurde der Flugplatz von dem Kombinat/Treuhand gemietet. Das war dringend nötig, denn es gab Interessenten für das günstig gelegene Gelände. Vor allem auch Dr. Manfred Fritsch wirkte auf die damalige Kombinatsleitung ein, einem Verkauf des Flugplatzes an private Interessenten nicht zuzustimmen.

Mit dem Flugplatz hatte sich der Verein eigentlich etwas vorgenommen, was wirtschaftlich ein paar Nummern zu groß für Ihn war. Mit Mut und Ideenreichtum meisterten die Segelflieger die Situation. Für die Räumlichkeiten wurde eine Gastwirtin gefunden, mit 3-4 ABM-Kräften wurde alles notdürftig gerichtet und der Flugbetrieb aufgenommen. Als Flugplatzleiter fungierte Eberhard Wötzel ehrenamtlich.

  Dem damaligen ABM-Kollegen, Bernd Wagner ist es zusammen mit

Hilfe aus Erlangen und Oerlinghausen bei Bielefeld

Gleich nach der Wende kam der Flugsportverein Erlangen auf die Segelflieger zu.

Von dort hatte Ulli Fischer schon 1987, lange vor der Wende, versucht Kontakt im Rahmen der Städtepartnerschaft Jena – Erlangen aufzunehmen. Es entwickelte sich eine rege Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen. Die Freunde aus Erlangen waren von Anfang an der Überzeugung: dieser Platz muss dem Segelflugsport erhalten bleiben. Dementsprechend unterstützten sie die Bemühungen des FK, dessen Mitglieder in den vergangenen Jahren ca. 200.000 freiwillige Stunden Aufbauarbeit  in der Flugplatz investiert hatten.

Die Verhältnisse waren weitestgehend ungeklärt: offene Eigentumsfrage, keine Finanzierungsgrundlage, keine Festanstellungen,

Mit der Treuhand wurde um die Übernahme des Flugplatzes verhandelt. Wenn überhaupt dann sollten die Flugplätze nur in die Hand von Kommunen gegeben werden.

 

Die Gründung des Förderkreises

Auf Anregung von Herrn Niermann, Vereidigter Buchprüfer und Fliegerfreund aus Bielefeld wurde die Gründung eines Förderkreises Flugplatz Schöngleina e. V. (FFS) vorbereitet. Als Mitglieder wurden gewonnen:

die Stadt Jena, der Landkreis Stadtroda, der Landkreis Jena, die Carl Zeiss Jena GmbH, die JENOPTIK Jena GmbH, der Landesluftsportverband, das Obstgut Schöngleina, die Flugsportvereinigung Erlangen e. V. und natürlich als Initator der Fliegerklub Carl Zeiss Jena e. V. Zum Vorstand wurden gewählt: die Stadt Jena, der Landkreis Stadtroda und Günter Lorbeer als Geschäftsführender Vorstand.

  Der Landkreis Eisenberg war auch als Gründungsmitglied gefordert.

Als Ziele des FFS wurden von vorn herein bestimmt: die Förderung des Sportfluges und der Allgemeinen Luftfahrt durch Übernahme und Entwicklung der Liegenschaften des Flugplatzes. Damit war eine Einrichtung geschaffen, die in der Lage war, die Aufgaben, die der Flugplatz mit sich brachte, zu schultern.

Die Auseinandersetzungen mit der Treuhand gestalteten sich langwierig im Bereich Sondervermögen. Insbesondere Bürgermeister  Günter Graupe war es zu verdanken, dass der Flugplatz von der Treuhand zum Jahreswechsel 1991/92 an die Stadt übergeben wurde mit der Maßgabe, diesen in den FFS einzubringen, was auch nach dessen Gründung erfolgte.

  Umfangreiche Recherchen zu den ca. 30 Flurstücken  in

Der Flugplatz war damit der erste seiner Art, der in den Neuen Bundesländern übergeben wurde.

 

JENOPTIK und der Ausbau des VLP

Dr. Lothar Späth fragte anfangs 1992 an, was die Asphaltierung der Startbahn kosten solle ? Das war der Startschuss für den Ausbau des VLP. Dann ging alles sehr schnell. Fördermittel wurden beschafft, JENOPTIK stellte 1,2 MioDM zur Verfügung bürokratische Hürden wurden überwunden. Das erforderliche Planfeststellungsverfahren konnte „umgangen“ und damit Jahre Verzögerung vermieden werden.

Aber die Gemeinde Schlöben mit dem Bürgermeister Perschke stellte sich gegen die Asphaltbahn. Es wurde ein Verein gegen diese gegründet. Beratungen des Vorstandes des FK mit dem Gemeinderat halfen nicht. Schließlich machte uns

Dr. Dierolf, Stellvertreter von Dr. Späth, den Vorschlag, die Bahn auf dem vorhandenen Gelände zu bauen. So musste die Diagonale des VLP genommen werden. Leider mit dem Nachteil: die Richtung stimmt nicht mit der Hauptwindrichtung überein und führt über die Dörfer Mennewitz und Trockhausen.

Auf Grund der guten Erfahrungen am VLP Gera wurde die Nordbayerische Baugesellschaft Bayreuth mit der Ausführung beauftragt.

  Die Baufirma sparte Kosten, indem sie Schotter aus dem Aushub

Alles war geregelt, der Auftrag war erteilt, die Technik stand schon auf dem Hof, da machte Eberhard Wötzel als Betreiber nicht mehr mit, weil die luftfahrtbehördliche Genehmigung Auflagen enthielt, von denen uns Dr. Nelles, Chef der Behörde, bisher Nichts hatte verlauten lassen. Am Wochenende durften nur noch Motorflugzeuge mit  erhöhten Lärmschutz unbegrenzt fliegen. Nach heftiger Auseinandersetzung untereinander und mit dem für alle neuen Verwaltungsrecht fand man sich mit dem Bescheid ab. Alles Andere hätte unbestimmt lange Verzögerungen verursacht.

Im Herbst 92 war die Asphaltbahn einschließlich Befeuerung fertig.

 

Der Förderkreis übernimmt die Betreibung des Flugplatzes

Der Fliegerklub als Betreiber des VLP war überfordert. Doch konnte er ohne Sicherung seiner Rechte als „Erbe“ der jahrzehntelangen freiwilligen Arbeit der Segelflieger die Betreibung aufgeben. Die ca. 200.000 freiwilligen Arbeitsstunden der Segelflieger begründeten ein hohes moralisches Recht der Segelflieger, die sich  nun im FK zusammengefunden hatten, am VLP.

In einem notariellen Vertrag wurden dem FK Grunddienstbarkeiten zugesichert, die den Segelfliegern den VLP als Heimstatt sicherten. Sie erhielten die Segelflugzeughalle, Werkstatt und die Garage im Nießbrauch, ein unentgeltliches Nutzungsrecht am Zeltplatz und der Segelflugbetriebsfläche.(2).

Diese Rechte wurden allseitig respektiert und im Jahr 2000 in die Grundbücher eingetragen.

Der Förderkreis war von Anfang an vor schwere Aufgaben gestellt. Die ABM für die Mitarbeiter lief im Mai 1993 aus. Die Stadt Jena und die Landkreise Jena und Stadtroda sprangen ein und sicherten die außerplanmäßig Gelder für die Weiterbeschäftigung der bisherigen ABM-Mitarbeiter.

 

 

 

 

Der Ausbau des VLP bis 2000

Der Ausbau des VLP war gekennzeichnet durch Rekonstruktion der Bausubstanz einerseits und die Schaffung von Betriebseinrichtungen andererseits.

Zu den größeren Objekten gehörten: der Einbau einer modernen Heizung, die Sanierung des Daches, die Erneuerung der Zwischendecke im Gastraum, der Einbau von neuen Fenstern, die Sanierung des Freibades, die Trockenlegung der Grundmauern, ein Kinderspielplatz  u. a. m.

Die Gastwirtschaft und der Hotelbereich wurden teilsaniert von der Mieterin

Frau Wagenführer.

Zum Teil mit Fördermitteln wurden Flugbetriebseinrichtungen geschaffen bzw. rekonstruiert. Dazu gehören: 3 Tankstellen, Rollwege, Abstellflächen für Flugzeuge,

Flugleitungstower, Flugleitung, Toiletten für Personal und Piloten, Umzäunung der Flugbetriebsfläche, Parkplatz für Besucher  u. a. m.

Mit wenig Mitteln wurde mit Hilfe der angestellten Flugleiter und der zeitweilig zur Verfügung stehenden ABM Kräfte viel erreicht.

 

Die Luftrettungsstation

1993/94 war ein z. T. in der Öffentlichkeit ausgetragener Streit über den Standort der neu einzurichtenden Luftrettungsstation ausgebrochen. Da der Standort an der KIM  erst in 10 Jahren verfügbar sein würde, wurde ein vorübergehender Platz gesucht.

Das Paradies wurde  von den Grünen abgelehnt. Der Sportplatz an der Hautklinik passte mehreren Seiten nicht, in der Nähe der KIM war kein akzeptabler Bauplatz.

Günter Lorbeer machte den Vorschlag der dauerhaften Stationierung auf dem Flugplatz. Hauptargumente: ein großer Teil der Einsätze endet nicht an der Klinik, weil der Hubschrauber den Notarzt zum Patienten bringen soll. Am Flugplatz ist die Station zentraler untergebracht und die Lärmbelastung für Lobeda vermindert.

Die z. T. bis zum persönlichen Angriff geführte Diskussion wurde mit einem Standortvergleich unter Leitung von Staatssekretär Brüggen im Thüringer Wirtschaftsministerium  in großer Runde mit allen Betroffenen zu Ende gebracht.

Ein viertel Jahr nach dieser Entscheidung im Juni 1994 stand die Station. Die Baugenehmigung kam ein halbes Jahr später.

 

 

Der Sicherheitsausbau

Nach den neuen europäischen Sicherheitsrichtlinien von 1999 für das Starten und Landen von Flugzeuge der Klasse 5,7 t – 9 t war unsere Landebahn zu kurz (870 m statt 1200m) und zu schmal (20m statt 23 m). Der größte Teil der Flugzeuge dieser Klasse hätte nicht mehr bei uns landen können ohne gegen die Regeln zu verstoßen.

Ein Planfeststellungsverfahren mit allen umfangreichen Vorbereitungen musste durchgezogen werden. Das gelang in Jahresfrist. Sogar eine nochmalige Änderung des Planfeststellung wurde erreicht. Diese war nötig, weil die späte Kenntnis des genauen Wortlautes der europäischen Richtlinie auch eine Bahnverbreiterung um 3m erforderlich machte.

Der Ausbau der Straße nach Schöngleina war eine Forderung der Planfeststellung.

Mit einer ABM-Mannschaft wurden die umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen an Wanderwegen, am Dorfteich Schöngleina und am Hardergraben durchgeführt. Die planerische Betreuung dieser Ausgleichsmaßnahmen lag in den Händen der

Fa. Klaus Götze. Die Planung der Bahnverlängerung erfolgte durch die Fa. Wehner, Weidenberg. Die Fa. act Stuttgart erstellte die Unterlagen für die Befeuerung. Die finanzielle Sicherstellung wurde mit Fördermitteln des Landes und einem Kredit der Stadtwerke erreicht.

Die Baudurchführung erfolgte ab 1999 durch die Fa. Kirchner GmbH Erfurt. Die Straße wurde ab 2001 gebaut.

 

Sportliche Höhepunkte

Unmittelbar nach der Wende 1990 fand der 2. Doppelsitzerwettbewerb als „Pokal der Zeisswerker“ (sh. Bild) statt. Ein Novum, was wohl nie wiederholt werden wird, war, dass alle Piloten, auch die aus den alten Bundesländern, auf den gleichen Flugzeugtyp starteten. Es siegte die Besatzung der Bundeswehrsoldaten. Sie waren den einheimischen Piloten voraus was das Training betraf. Dazu hatten sie eine „Geheimwaffe“: Ruderspaltverkleidungen am Puchacz angebracht.

Leider fand dieser Pokal keine Fortsetzung. Bei der Frage nach dem Warum ist eine Antwort schwierig weil vielschichtig. Die weggefallene Unterstützung durch die Betriebe und Institutionen spielten eine Rolle.

Nach langer Pause folgten Deutsche Meisterschaften der Junioren im Jahr 199X.

Letzter Höhepunkt waren die Deutschen Juniorenmeisterschaften 199Y.

Beide Meisterschaften waren erfolgreich. Der Flugplatz fand großen Anklang, insbesondere wegen der Größe und auch wegen dem Bad.

Leider fand dieser Anfang keine Fortsetzung. Die Ursachen liegen auch im mangelnden Verstehen zwischen den Vertretern des Sports und der Leitung des Verkehrslandeplatzes.

 

Die Anrainer

Neben dem Fliegerklub baute Dietmar Möller die 2. fliegerische Unternehmung am VLP auf. Zunächst als ABM-Kraft am VLP leitete er dann  die Niederlassung der Saarflug-Flugschule am VLP. Von dort kamen die Ersten Motorflugzeuge der Flugschule. Die Flugschule war sehr erfolgreich und trug auch viel zum Erfolg des VLP in den ersten Jahren bei. So war Dietmar Möller in der Lage, sich von der Saarflug abzukoppeln und mit der „TAKE WINGS“ 199X eine eigene Charterflugschule zu gründen. Der Flugzeugbestand wuchs kontinuierlich und Ableger in Alkersleben und Obermehler wurden einbezogen. Ein Rückgang der Entwicklung zeichnete sich um die Jahrtausendwende ab.

 

Neben dem Fliegerklub gründete sich 199X die „Landessegelflugschule

Thüringen e. V.“ (LST)  Erster Vorsitzender war Eberhard Wötzel. Die LST hatte sich zum Ziel gestellt insbesondere Motorseglerausbildung und Lizenzerwerb im Segelflug für Ältere zu betreiben.

Die LST entwickelte sich gut. Es wurde neben dem Mose ein Bestand an Segelflugzeugen und einer Schleppmaschine aufgebaut. In den ersten Jahren war es insbesondere Erhard Grund, der eine Reihe von Motorsegler-Piloten ausgebildet hat.

 

Eine besondere Belebung am VLP brachte Hakan Emci 199X mit seiner Paragliding-Schule „JENAIR“. Auf solider Grundlage entwickelte er eines der wenigen Unternehmen dieser Art in der BRD. Er brachte sich auch  in den Förderkreis ein.

Die Schulung an der Winde wickelt er komplett am VLP ab.

Teil 3: Fortsetzung des Ausbaus 2001- 2009

Von Bernd Wagner und Günter Lorbeer

 

Weiterführung der  geplanten Maßnahmen des Sicherheitsausbau

 

Ab 01. Januar 2001 wurde Frau Susann Hörl durch den Vorstand des Förderkreises Flugplatz Schöngleina e.V. zur Geschäftsführerin der Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina GmbH berufen. Sie hatte die durch Günter Lorbeer vorbereiteten Maßnahmen der Planfeststellung weiterzuführen. Dabei handelt es sich um den Sicherheitsausbau mit der Verlängerung und Verbreiterung der Start- und Landebahn (SLB) auf 1170m x 23m sowie dem Ausbau der Straße. Die Verlängerung der asphaltierten Start- und Landebahn war Voraussetzung, dass nach Einführung der Vorschrift JAR-OPS 1 weiterhin bestimmte Flugzeuge den Flugplatz im gewerblichen Verkehr nutzen durften

 

Der Ausbau der SLB durch die Erfurter Niederlassung der Fa. Kirchner wurde 2001 abgeschlossen.

Die Voraussetzungen für den weiteren Ausbau, wie der Kauf der Flurstücke und die Planfeststellungen waren 1999 und 2000 geschaffen worden. Damit war auch die Basis für die Verlängerung der Grasbahnen für den Segelflug von 850m auf 1200 m erfolgt. Durch den Förderkreis Flugplatz Schöngleina e. V. erfolgte in zwei Etappen 2008 bis 2010 die Verlängerung der Segelflugbahnen in beide Richtungen.

Freiwillige Arbeiten, wie Steine Lesen und Gebüsch roden, wurden vom Fliegerklub und  JENAIR geleistet.

 

Der Ausbau der Straße folgte 2002. Bemerkenswert dabei  ist, dass ein 11m tiefer Erdfall  direkt unter der Zufahrtsstraße am Dorfausgang aufgefüllt werden musste.

 

Bau der Neuen Luftrettung

 

Schon mit der Errichtung der ersten, der Alten Luftrettungsstation, war festgestellt worden, dass diese nur ein Provisorium für ca. 10 Jahre bis zum erfolgten Klinikausbau sein wird. Danach sollte die Station ins Klinikgelände Jena  verlegt werden.

Es gab eine intensive Auseinandersetzung der Befürworter und Gegner wie schon bei der ersten Station. Letztlich siegten die guten Argumente für den FP: die Lärmbelastung für das Klinikum und die Anwohner in Lobeda ist geringer und die erforderlichen hindernisfreien An- und Abflüge sind dort nicht gewährleistet.

Nach internen Auseinandersetzungen einigte man sich auf den Standort Schöngleina zu Lasten des Fliegerklubs. Ursprünglich war dieser Neubau bei der Neuen Halle vorgesehen.

Mit dem Bau der Neuen Luftrettung musste die Forderung nach einer leistungsfähigen Abwasserentsorgung realisiert werden. In dem Zusammenhang wurde auch der Wasseranschluss mit neuem Wasserhaus und schließlich auch der Elektroanschluss des gesamten Flugplatzareals  zukunftssicher  gestaltet.

2005 wird die Neue Luftrettungsstation in Betrieb genommen. Anfänglich gab es große Probleme beim Betrieb der Landeplattform und der Toranlage des Hangars.

 

 

Fliegerische Aktivitäten

 

2001 werden am FP die Deutschen Meisterschaften der Junioren ausgerichtet. Die Teilnehmer  aus unserer Region belegten leider keine vorderen Plätze. Mit den Gegebenheiten am FP waren die Wettbewerbsmannschaften sehr zufrieden.

Hervorzuheben sind in diesen Jahren die Aktivitäten der „Grauen Adler“ von den beiden Segelflugklubs, die gemeinsamen Flugbetrieb in der Woche organisierten.

Ein erstmals durchgeführter Pokalwettbewerb für Touringmotorsegler 2004 am Schöngleinaer FP fällt dem Wetter zum Opfer. Nur wenige Besatzungen können anreisen.

 

In den Jahren 2004 und 2007 wurden die Thüringer Meisterschaften im Segelflug mit jeweils etwa 35 Segelflugzeugen am Flugplatz Schöngleina durchgeführt. 2007 siegte Eberhard Wötzel.

 

2010 und 2012 fanden und finden der „Jena-Cup“ als Qualifikationsmeisterschaft für die Deutschen Meisterschaften im Segelflug statt.

 

Leider sind in dieser Zeit 2 Abstürze zu beklagen: 2002 stürzt bei einem Windenstart das Segelflugzeug  SF34 der Landessegelflugschule  mit Pilot Günter Nabe ab. Der Pilot wird tödlich verletzt. Bei einem weiteren Absturz im Windenstart 2003 verliert der Fliegerklub den Pirat D-1916.

Pilot Rainer Franke wird schwer verletzt.

 

Die Jenaer Flugtage finden nach langer Unterbrechung 2004 eine Fortsetzung. Die Jenaer Firma Coventus übernimmt die Organisation des Eventes, welches all zwei Jahre im Wechsel mit dem Strohfest in Gernewitz durchgeführt werden soll. Das Fest wird auch 2006 mit vollem Erfolg bei bestem Wetter  von Coventus veranstaltet.

 

 

Veränderungen im Eigentum und bei den Personen

 

Ab 2005 ist Herr Sven Hitzer neuer Betreiber des Flugplatzrestaurants. Seine Pläne, die Gastronomie zu einem Erlebnisbereich auszubauen gehen nicht so auf.

 

Frau Ingeburg  Rink übernimmt 2006 als Pächterin das Flugplatzrestaurant mit Hotel .

 

Frau Susann Hörl verläßt die GmbH.

 

Nach langer Auseinandersetzung wird (auf Betreiben   Stadt Jena und der Jenoptik 2009) der FP

Eigentum der Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina GmbH.

 

 Herr Dr. Manfred Fritsch wird 2009 zum Geschäftsführer des Förderkreises Flugplatz

 Schöngleina e. V. gewählt. In der Folge wird der Förderkreis in einen gemeinnützigen Verein umgestaltet.

 

Herr Jan Gassel wird im Jahr 2009 zum Geschäftsführer der Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina GmbH berufen. Davor hat Herr Martin Fürböck vertretungsweise ein halbes Jahr als GF fungiert hat.

 

 

 

Website Design Software NetObjects Fusion